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Eagle Eye – Außer Kontrolle



Überall angepriesen als Thriller einer ganz neuen Generation, hält Eagle Eye direkt einmal, was die vollmundige Werbung verspricht ... also zumindest fast!

Originaltitel: Eagle Eye
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: D.J. Caruso
Darsteller: Shia LaBeouf, Billy Bob Thornton, Michelle Monaghan, Rosario Dawson, Eric Christian Olsen, Ethan Embry, William Sadler, Michael Chiklis, Madylin Sweeten, Cameron Boyce u.a.
Jerry hat seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Sein aktueller Job als Copyshopangestellter und stetes Herumreisen in der Weltgeschichte legen davon eindeutig Zeugnis ab. Als er erfährt, dass sein Bruder im Rahmen eines neuen militärischen Projektes namens Eagle Eye verstorben ist, reist der chronisch blanke Jerry umgehend zu der Beerdigung und erhält von seinem Vater einen Scheck zum „Wieder auf die Beine kommen“. Wie verwundert ist er jedoch, als er diesen einlösen will und sehen muss, dass sein Konto mit 750 000 Dollar im Plus ist. Kaum daheim angekommen, gehen ihm erneut die Augen über. Sein Zimmer ist voll gepfropft mit Waffen, Sprengstoffen und diversen anderen Materialien, die jedem Terrorist dieser Welt ein feuchtes Höschen machen würden.
Jerry allerdings ist eher geschockt und erhält obendrein einen unverhofften Anruf. Eine Frauenstimme verkündet, er müsse ihr fortan gehorchen und er solle aus der Wohnung fliehen, sonst werde er in wenigen Augenblicken vom FBI hochgenommen. Jerry glaubt an einen schlechten Scherz, als seine Tür auch schon krachend in ihre Bestandteile pulverisiert wird. Bei dem folgenden Verhör wird Jerry unversehens zum Terroristen degradiert. Bevor er sich wirklich herausreden kann, knallt auch schon ein Kranausleger in das Zimmer und Jerry kann entkommen. Auf seiner Flucht trifft er auf Rachel, die ebenfalls von der Frauenstimme gezwungen wurde, zu gehorchen. Im anderen Falle stirbt ihr Sohn. Fortan folgen beide den Anweisungen der Stimme und werden zum Teil eines unerhörten Planes …

Eagle Eye ist eine Art Speed der heutigen Kommunikationsgesellschaft. Denn der Actionthriller rast mit einer solchen Geschwindigkeit über die Leinwand, dass einem Hören und Sehen vergeht. Dabei ist die Geschichte hinter Eagle – obgleich bei Auf der Flucht und Staatsfeind Nummer eins zusammengeglaubt – das größte Pfund der Unternehmung Eagle Eye. Denn diese wird aufgezogen, wie ich es persönlich am liebsten habe, indem sie den Zuschauer selten mehr wissen lässt, als den gehetzten Hauptcharakter und immer wieder nur wenige Anhaltspunkte offenbart, die eine Ahnung davon vermitteln, in welche Richtung es gehen könnte. Und dieses Konzept geht vollkommen auf und sorgt für eine durchgehend hohe Spannungskurve. Dabei hilft das unerhört hohe Tempo der Geschichte ungemein, denn während der Film läuft, hat man gar keine echte Gelegenheit über die Geschichte hinter Eagle Eye zu reflektieren.
Sobald der Film aber zu Ende ist, hat das Storykonstrukt ungefähr die gleichen Überlebenschancen wie ein Kartenhaus im Windkanal. Denn mit der Logik hapert es teils gar köstlich, auch und vor allem im Bezug auf die Eagle Eye Apparatur, die wohl einfach nur cool ausschauen sollte, dabei aber so herrlich bekloppt ist, dass man sich wundert, wieso einem das nicht auch schon im Film selber auffiel. Und auch die Geschichte hat ein paar wundervolle Handlungslöcher … doch wie gesagt, während des Filmgenusses fällt dies absolut gar nicht auf.

Einen großen Anteil daran hat das Hauptdarstellergespann Shia LaBeouf und Michelle Monaghan, die für einen Film dieser Coloeur auf erstaunlich solide Figurenzeichnungen zurückgreifen dürfen und sogar im Verlauf der Handlung noch diverse Entwicklungen durchmachen! Dabei hat es LaBeouf etwas leichter als Monaghan, weil seine Figur doch noch deutlich ausgereifter daherkommt. Diese kleinen Nachteile in der Zeichnung ihrer Figur Rachel macht Michelle Monaghan mit einer unglaublich sympathischen und starken Performance mühelos wett. In den Nebenrollen tummeln sich ein wie immer absolut cooler Michael Chiklis (The Shield) und eine endlich mal richtig in einen Film eingebundene und auch wirklich schauspielernde Rosario Dawson (Alexander). Der eigentliche Clou und Showstealer ist aber Billy Bob Thornton, der als Bindeglied zwischen Technikgebabbel und Zuschauerschar funktioniert und so manchen unverständlichen High Tech Bla hemdsärmlig auf den Punkt bringt. Obendrein wird er als Mann der Tat installiert und darf dementsprechend auch in mancher Actionszene dabei sein, was ihm hervorragend steht.
Optisch ist Eagle Eye absolut State of the Art. Die Kameraarbeit ist edel, die lancierten Bilder energetisch und hochdynamisch und CGIs und Co. werden äußerst sparsam und selten eingesetzt. Dafür greift Regisseur D.J. Caruso bei seinen Actionszenen vollkommen ins Klo. Denn was nützt eine handgemachte und erdige Inszenierung der Showtopper, wenn man nichts davon auf der großen Leinwand erkennt. Eagle Eye ist in der prinzipiell großartigen Action so übel kurzatmig und hektisch geschnitten, dass man in jeder groß angelegten Actionszene im Handumdrehen den Überblick verliert. Wer da gerade in wen kracht, ist absolut nicht nachvollziehbar. Was wirklich eine absolute Schande ist, denn Caruso hat auch Elemente in seinem Film drin, die man so noch nirgends gesehen hat. Beispielsweise das coole Finale der ersten ausufernden Autoverfolgungsjagd auf einem Schrottplatz. Doch selbst in dieser aufwändigen Actionszene, wo es darauf ankäme, zu sehen, was passiert, ist man teils hilflos verloren. Schade. Zumindest macht Brian Tyler als Soundtracklieferant mal wieder das einzig Richtige und knallt dem Zuschauer einen beständig pumpenden und treibenden Score vom Feinsten auf die Ohren.
Was bleibt ist ein Streifen, der die Qualitäten der Streifen Staatsfeind Nummer Eins, Auf der Flucht und Speed mit einer großen Portion Post 9/11 Paranoia würzt und ganz nebenbei ein klein wenig Kritik an der zunehmend gläserner werdenden Gesellschaft übt. Dabei bleibt man aufgrund des Hauptzieles der Unterhaltung zwar eher oberflächlich, aber die bei weitem nicht so abwegig gezeichneten Kontrollmöglichkeiten, die in Eagle Eye vorgeführt werden, lassen schon ein klammes Gefühl in der Magengegend entstehen. Der Fokus von Eagle Eye liegt zweifellos auf der hochtourig vorgetragenen Action, die aber im Detail enorme Schwächen aufweist. Ganz zu schweigen von der Geschichte und ihrem etwas sehr abseitigen und abgehobenen Strippenzieher im Hintergrund. Diese sollte man tunlichst keinen Augenblick hinterfragen! Kurzum: Cooler „Hirn raus, Film ab!“ Krawall …


In diesem Sinne:
freeman
Hat mich nach dem Trailer und mit Shia nicht sonderlich interessiert. Wird wohl nur in der Theke geliehen. Obwohl du auch ne relativ gute Wertung aus dem Hut ziehst, schafft es deine Review ausnahmsweise mal nicht, meine vorgefertigte Meinung zu revidieren. Aber wie gesagt, aus der Theke mal sicher.  😉
Review kann ich so unterschreiben. Unverständlich, warum die Schnitte so dermaßen hecktisch waren, wenn im Film solch geniale und handgemachte Verfolgungsjagten integriert sind.
Die Eagle Eye Aperatur war mir denn auch etwas zu lächerlich, erinnerte mich ziemlich an EDI aus Stealth.  😉
2 Monate später
Gesehen und grundsätzlich zustimm, auch wenn ich die Hervorhebung von Thornton nicht ganz nachvollziehen kann wie das Genörgle an den Schnitten. Beim Ersteren hätte ich lieber einen knackigen Typen gesehen, einer, dem man die Bewegung schneller als Schrittgeschwindigkeit auch zutraut. Eventuell direkt mit Chiklis tauschen ? Beim Zweiten fällt es zumindest auf der kleinen Mattscheibe nicht negativ auf, anders als beim Bond oder auch Bourne ist es ohne Kopfschmerzattacken nachvollziehbar, was da passiert. Und das ist ja überraschend großräumig.
Die Geschichte ist natürlich Mumpitz, aber das fällt aufgrund des Tempos wie bereits gesagt erst hinterher, aber dann auch so richtig auf.