Far Cry
Deutschland / Kanada 2008

Jack Carver (Til Schweiger), ehemaliger Soldat der Special Forces und jetziger Bootsführer soll die Journalistin Valerie Cardinal (Emmanuelle Vaugier) auf eine von Söldnern bewachte Insel bringen, wo sie eine Story vermutet. Mit auf der Insel befindet sich auch ihr Onkel Max (Ralf Moeller), ein ehemaliger Kamerad von Jack. Max war es auch, der Valerie auf die Machenschaften des Dr. Krieger (Udo Kier) aufmerksam gemacht hat. Jedenfalls kaum angekommen wird Valerie von Kriegers rechter Hand Chernov (Natalia Avelon) gefangen genommen und Jack's Boot in die Luft gesprengt, was dieser mit einem beherzten Sprung ins Wasser überlebt. Widerwillig macht er sich daran Valerie zu befreien und von der Insel zu verschwinden. Klar dass er sich dafür mit zahlreichen Söldnern sowie mit Kriegers Experimenten anlegen muss...

Uwe Boll (Postal, Schwerter des Königs - Dungeon Siege) beglückt uns mal wieder mit einer Videospieladaption. Das ganze bewegt sich auf typischem Boll-Niveau - wobei es für ihn persönlich wohl ein Rückschritt in eindimensionale Gefilde ist (O-Ton Boll). Handwerklich ist das gebotene gewohnt solide und auch inhaltlich blieb man der Vorlage weitestgehend treu. Allerdings versucht sich Boll daran, das ganze augenzwinkernd zu inszenieren, was darin resultiert, dass insbesondere Til Schweiger (The Replacement Killers, Keinohrhasen) einige ziemlich dämliche Zeilen in den Mund gelegt bekommt. Von der reinen Physis her ist Schweiger allerdings eine Top-Besetzung für Jack Carver und gefällt darin auch - zumal er auch ziemlich Spaß an der Rolle zu haben scheint. Emamanuelle Vaugier (CSI: NY, Saw IV) darf die hübsche Journalistin Valerie mimen und hat das Thema "augenzwinkernd" etwas besser im Griff als Schweiger! Der Rest der Charaktere gleicht jedoch einem Abziehbild. Udo Kier (Barb Wire, Blade) gibt den Wagner hörenden, skrupellosen deutschen Wissenschaftler. Ralf Moeller (The Scorpion King, Gladiator) spielte eine ähnliche Rolle schon mal in Universal Soldier und Natalia Avelon (Das wilde Leben) gibt das toughe Militär-Babe aus den Ostblockstaaten! Was den Film über seine Laufzeit rettet ist hauptsächlich die unfreiwillige Komik selbst. Von den Machern sicherlich so nicht in diesem Ausmaß beabsichtigt bleibt das ganze über 90 Minuten hinweg doch erträglich und unterhaltsam.
Was sich mittlerweile auch als kleineres Problem der Boll-Produktionen herauskristallisiert, sind die Drehorte rund um Vancouver. So schön dies landschaftlich auch sein mag, würde man sich doch irgend wann mal eine kleine Veränderung in der Szenerie wünschen.

Unterhaltsam sind im Normalfall auch immer die Audiokommentare von Dr. Boll und seinen Hunden. Zumindest in der deutschen Variante hat er aber nach ungefähr 70 Minuten nichts mehr zu sagen und verlässt das Studio! Bis dahin erfährt man (mal wieder) etwas darüber wie schwer es ist, einen Film erfolgreich in den USA zu vermarkten, wer wo schon mal in seinen Filmen mitgespielt hat und wer welche Macken und Spleens hat. An den Referenz-Kommentar von House Of The Dead reicht Dr. Boll aber damit bei weitem nicht heran.

4 Monate später
Far Cry (auf BR, mal in englisch, mal in deutsch - Macht keinen Unterschied)

Puh, welch ein Machwerk. Dass die Filme Uwe Bolls nicht immer hochspannend, intelligent oder qualitativ hochwertig inszeniert sind, ist ja inzwischen allgemein bekannt. Hier ist ein weiterer Kandidat, der genau ins Schema passt.

Far Cry beruht auf einem erfolgreichen Egoshooter, leistet sich aber weder dessen Atmosphäre noch Qualität. Supersoldaten sind keine neue Geschichte, auch verrückte Wissenschaftler gab es bereits mehr als genug. Und Helden, die es lieber ruhig angehen lassen, sich aber dann doch plötzlich berufen fühlen, gegen diese verrückten Wissenschaftler und deren Supersoldaten anzukämpfen. Ach klar, natürlich muss die Schönheit des Films auch noch aus den Fängen eben jenes Wissenschaftlers gerettet werden. So weit, so altbekannt.

Uwe Boll schafft es, eine Liga eigentlich nicht allzu mieser Schauspieler zu verpflichten und ihnen Dialoge und Handlungsweisen auf den Leib zu diktieren, die die Handlung und die Glaubwürdigkeit extrem weit runter ziehen. Da gibt es wirklich Dialoge, da schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen. Ob man da die englische oder deutsche Tonspur wählt, spielt absolut keine Rolle. Udo Kier spielt den verrückten Wissenschaftler zu weibisch, Natalia Avelon möchte gerne eine toughe Lara Croft sein, Til Schweiger macht sich mehr Gedanken um seine sexuellen Qualitäten als um das Geballer um ihn herum, und Ralf Moeller bleibt erneut ziemlich blass – Im wahrsten Sinne des Wortes. Selbst Statisten werden absolut dumm verheizt.

94 Minuten gepflegter Nonsens. Als B-Movie zu wenig überdreht, als ernsthaftes Hollywoodkino aber zu schlecht.